Archiv für April 2003

Deine Welt sind die Berge

Dienstag, 29. April 2003

Ich komm gerade aus der Uni zurück und dachte mir, dass ich meine Eindrücke doch gleich festhalten muss. Ich war mit meinem Ethnologie/Volkskunde Grundkurs in der Heidi-Ausstellung. Es ist teilweise wirklich pervers, was da aus dem Heidi-Motiv alles gemacht wird. Das hat sich Johanna Spyri – die Autorin – sicherlich seinerzeit auch nicht träumen lassen. Zusammen mit Wilhelm Tell ist Heidi jetzt Teil des schweizerischen Nationalmythos. Heile Bergwelt und reine Luft. Oder um Gitti und Erika zu zitieren: "Dunkle Tannen, grünen Wiesen im Sonnenschein, Heidi, Heidi, brauchst du zum Glücklichsein". Bis hierhin ist ja alles noch halbwegs normal, jeder von uns kennt sicherlich die ein oder andere Heidi-Verfilmung oder zumindest die japanische Zeichentrickserie dazu.
Aber was es da sonst noch so alles gibt, da stehen einem die Haare zu Berge. Ich hab dort ein Werbevideo von McDonald’s Schweiz gesehen… Heidi kommt heim zum Alpöhi und sagt (natürlich schön im schweizerischen Dialekt): "Großvater, ich hab dir was mitgebracht! Einen BigMäc und Pommes Frites von McDonald’s! Nur von meinem Taschengeld!". Na ja, also bitte.. Heidi geht zu McDonald’s? Es gibt mittlerweile sogar Heidi-Geschichten, in denen Heidi dem Geißenpeter Emails schreibt. Emails? Auf einer Alm? Ohne Strom? Das heutige Heidi-Bild ist irgendwie schon etwas seltsam geworden. Es gibts sogar Sexfilme ("In der Heidi ist es doch am schönsten") über das Heidi (ja, es heißt "das Heidi"). Aber die Japaner schießen da schon den Vogel ab, dort gibt es so ziemlich alles, was nur kitschig sein kann mit Heidi-Aufdruck. Einen zweiten Vogel schießen die Schweizer aber selber ab: In Maienfeld in Graubünden, im offiziellen Heidiland, gibt es gleich zwei Alpöhis die um die Gunst der Touristen buhlen. Keiner kennt den anderen, aber hasst ihn weil er ihm Profit abschöpft. Einer davon geht jedes Jahr für einige Monate auf Weltreise von dem Profit, den er mit Heidi macht!

Mit großem Kopfschütteln: Jodeladehü!

Emails, Windenergie, Guantanamo

Dienstag, 29. April 2003

Die letzten Tage hab ich einige seltsame und/oder lustig Emails bekommen. Endlich mal wieder Spaß im Briefkasten 🙂 Eine davon war von einem Emailfreund meines Onkels, der auf seiner Deutschlandreise unlängst in Ellenberg war und mir davon ein Bild geschickt hat. Wie klein die Welt doch ist! Eine andere war von einem Libanesen, der mich unbedingt kennenlernen will und gerne mit mir telefonieren möchte. Das find ich schon etwas seltsam, es ist aber kein Spam oder so, er antwortet auch auf meine Mails. Ich werd aber jetzt nicht im Libanon anrufen, wer bin ich denn, das ist ja schon etwas seltsam. Zu dessen Beweggründe kann ich mich nicht so recht einem Reim machen. Außerdem hat mich ein alter Freund in ICQ mit einer interessanten Frage angechattet, was doch immer wieder für Sachen rumgehen ist echt lustig! Diejenigen, die wissen um was es geht, mögen mich doch bitte selber fragen, mehr schreib ich dazu jetzt nicht hier!

Mal von den bereits erwähnten Emails bekomm ich in den letzten Wochen auch verstärkt Emails von Leuten, die sich für Windenergie interessieren. Teilweise von Schülern, die es im Unterricht behandeln, teilweise auch einfach von Privatpersonen die Argumente dafür oder auch dagegen suchen. Denn teilweise grenzt es ja schon an Verleumdungskampagnen was da in Gemeinden abgeht, wo so eine Windkraftanlage gebaut werden soll. Ich kenne da einige Beispiele davon aus der Gegend um Ellenberg, die Argumente der Gegner sind teilweise wirklich absurd und entbehren jeglicher Logik. Das ist wie mit den Mobilfunkmasten in den Dörfern, da entlädt sich auch der Volkszorn. Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht! Aber selber erwaten diese Leute eine lückenlose Handyversorgung, nur soll kein Funkmast zu Nahe an sie rankommen. Diese Leute sollten sich lieber mal schlau machen, was es sonst noch so für Funkstrahlen bei uns im Äther gibt, da fällt die GSM-Strahlung für Handys schon kaum mehr auf. Radio, Fernsehen, Polizeifunk, Langwellensender wie z.B. von Radio Liberty oder von Radio Vatikan, allein schon die Strahlung, die der schlecht funkentstörte Mixer in der Küche ausstrahlt oder auch einfach nur der Fernseher im Wohnzimmer. Das realisieren diese Leute einfach nicht. Und im Wohnzimmer daheim steht ein schnurloses DECT-Telefon. Die selbsternannten Experten, die durchs Land reisen und Vorträge über die Gefährlichkeiten halten, betreiben in meinen Augen nichts anderes als Volksverdummung.

Zum Abschluss auch noch ein paar Zeilen zum Irak-Krieg und "angrenzenden Problemfeldern". Die Kampfhandlungen im Irak sind zwar weitgehend beendet, aber von Befriedung kann man noch nicht reden, trotzdem dringt kaum noch etwas darüber bis an die Öffentlichkeit durch. Die Menschen sind die Schlagzeilen aus dem Irak leid, irgendwo kann ich das auch verstehen, ich spür diese Tendenz bei mir selber auch. Allerdings kommt es auf die Art und Weise zu vergessenem Unrecht. Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel das US-Gefangenenlanger in Guantanamo Bay auf Kuba. Da redet heute kaum mehr einer darüber, dass dort nach wie vor ohne jede Rechtsgrundlage von der Bush-Regierung hunderte Menschen unter teils menschenunwürdigen Umständen festgehalten, darunter auch Kinder. Sie hatten nie einen Prozess, keinen Anwalt, dürfen nicht mit ihren Angehörigen oder Freunden telefonieren. Wieso regt sich darüber eigentlich keiner auf? Die Bedingungen dort verstoßen mehrfach gegen die der Genfer Konventionen. Allerdings behaupten die Amerikaner ja, das seien keine Kriegsgefangenen, deswegen greifen die Genfer Konventionen nicht. Das ist doch Humbug, diese Leute wurden im Rahmen des Afghanistan-Krieges von den Amerikanern einkaserniert, dann sind es doch Kriegsgefangene. Ganz von ihrem Status mal abgesehen: Sollten nicht jeglichen Gefangenen die paar Mindestrechte zustehen, die Kriegsgefangenen in den Genfer Konventionen zugestanden wurden? Denn auch die USA haben diese Genfer Konventionen unterzeichnet. Aber internationale Verträge stören die Bush-Administration ja offensichtlich nicht.
· Kyoto – "was ist das?"
· Internationaler Gerichtshof – "nicht mit uns, wir greifen Den Haag an wenn da Amerikaner sind!"
Und so geht’s weiter. Das ist eine besorgniserregende Tendenz, auch der Ausschluss der UNO aus dem Irak-Konflikt und der eigenmächtige Alleingang der Amerikaner (und Briten) ist beunruhigend. Ob die Amerikaner da nicht noch mal kräftig auf die Nase fallen mit dieser Politik??

Ein Osterfeuer und ein Hufeisen

Samstag, 19. April 2003

So, jetzt melde ich mich mal wieder aus Ellenberg. über die Osterfeiertage bin ich zu meinen Eltern gefahren. Meine Mutter hat eh schon die ganze Zeit gefragt, wann ich denn wiederkomme, da bot sich Ostern recht gut an wegen der Feiertage. So hab ich mal wieder die Gelegenheit, die Familie etwas mehr zu sehen.

Außer der Familie hab ich heute auch noch das halbe Dorf getroffen bei der Entzündung des Osterfeuers. Vom Bürgermeister über den Feuerwehrkommandanten war wirklich alles vertreten. Nur der Pfarrer hat gefehlt. Seit ich hier nicht mehr wirklich wohne, kenn ich die Leute noch weniger, jedenfalls hab ich nur ne Handvoll Leute gekannt. Das ist schon blöd wenn man da die ganze Zeit rumsteht, deswegen bin ich auch nicht allzu lange geblieben.
Aber so ein Osterfeuer ist schon recht beindruckend, das war so ein 10Meter hoher Berg mit Ästen, Holz, Gestrüpp und anderen brennbaren Sachen. Nachdem das mal so richtig in Flammen stand, konnte man danicht näher als 10-15 Meter ran, das war einfach zu heiß. Ich hab auch einige Fotos davon gemacht, rechts ist eines davon zu sehen.

Gestern hab ich einen interessanten Fund gemacht, als ich mit meiner Mutter eine kleine Radtour durch die heimischen Wälder gemacht habe: ein Hufeisen! Na wenn das nicht Glück bringt… Ich weiß nur noch nicht so recht, was ich damit machen soll, wenn mir jemand sagen kann, was man mit einem Hufeisen genau machen muss, damit es besonders viel Glück bringt, schreibt mir! Auf dem Bild rechts sieht man mich zusammen mit meinem Fund.

Die letzten Wochen waren in meinem Weblog recht deutlich vom Irak-Krieg geprägt. Ich will dieses Thema jetzt nicht ganz ausklammern, aber da der Krieg wohl doch seinem Ende entgegen geht, werde ich wohl ab jetzt etwas weniger darauf eingehen.
Ein paar Punkte gibt es aber dennoch. Zum Beispiel diese Jessica Lynch.Diese 19-jährige Soldatin wurde im Krieg von den Irakern gefangen genommen und von den Amerikanern wenig später PR-trächtig wieder befreit. Mittlerweile melden sich Ärzte zu Wort, die diese Geschichte ein wenig anders darstellen. Danach wurde sie mit den bestmöglichen Mitteln medizinisch versorgt entgegen der Darstellung den Amerikaner, dass sie ohne medizinische Hilfe auskommen musste. Auch war die Befreiungwohl nicht wirklich ein Kampfakt. Aber na ja, gelungene Propaganda ist es allemal. Aber mal ganz unter uns: meiner Vermutung nach ist diese Jessica durch eigenes Verschulden in irakische Gefangenschaft geraten weil sie mit 19 Jahren einfach noch nicht reif genug war, um sich im Krieg wirklich wehren zu können. Und dass man jetzt aus ihr eine Heldin stilisiert, finde ich unmöglich. Und einen Film wollen sie über die Lebensgeschichte auch drehen, ist das nicht etwas übertrieben bei einer 19-Jährigen, die eigentlich kaum etwas gemacht hat? Na ja, Hollywood macht viele Filme…

Bagdad, Uni, Sonnenschein

Freitag, 11. April 2003

Der Sturm auf Bagdad ist vorbei, hoffentlich der ganze Krieg auch bald. Allerdings sollten die amerikanischen Truppen meiner Meinung nach versuchen, die Ordnung in Bagdad halbwegs aufrechtzuerhalten. Dort wird ja geplündert was nur geht. Als ich gestern die Bilder aus der geplünderten und verwüsteten deutschen Botschaft gesehen hab, tat mir der deutsche Botschafter leid, der das jetzt im Fernsehen ansehen muss. Sicherlich kein gutes Gefühl.
Ich versteh nur echt nicht, wieso die Truppen dort nichts tun. Der ARD-Korrespondent hat gemeint, dass etwas mehr Präsenz da schon viel ausmachen würde. Aber die amerikanischen Truppen bewachen im Moment nur einige ganz wenige Orte wie das Hotel Palestine, in dem die meisten ausländischen Journalisten untergebracht sind und das Erdölministerium…

In other news gibt’s gar nicht so viel Neues zu sagen. Meine erste Uni-Woche ist vorrüber und ich seh schon, dass da doch recht viel auf mich zu kommt. Diverse Referate, Essays, Hausarbeiten und Klausuren verteilen sich zum Glück relativ gleichmäßig über das Semester.

Und noch kurz zum Wetter: hoffentlich wird’s bald wieder wärmer wie das der Wetterbericht schon angekündigt hat! So wie vor einigen Wochen, als ich mit Freunden in Luxemburg war, dürfte es jetzt ruhig sein, 15-20 Grad und Sonnenschein. Im Moment hat es 9 Grad aber immerhin schneit es gerade nicht, das hat’s heute nämlich auch schon!

Neues Semester

Dienstag, 8. April 2003

Gerade ist es 9:10 Uhr, ich bin frisch geduscht und bereit für das neue Semester. Das begann zwar eigentlich schon gestern, aber da ich montags keine Vorlesungen habe, für mich erst heute. Und ich freu mich ehrlich gesagt auch darauf, endlich wieder in die Uni gehen zu können. Mein Stundenplan in diesem Semester liegt eigentlich nahezu perfekt, endlich keine langen Leerläufe dazwischen, nichts in den Abendstunden wie im vergangenen Semester und auch wirklich die Kurse, die ich mir vorher ausgesucht habe. Da hat sich sogar das Anstehen gelohnt (insgesamt stand ich 3 Stunden in Warteschlangen für Kursanmeldungen).
Einen kleinen Vorgeschmack auf das Semester hab ich dadurch letzte Woche schon bekommen, da musste ich einen Sprachtest in Englisch machen um Amerikanistik studieren zu können. Irgendwie ist mir im Moment bei dem Fach nicht so ganz wohl aber gegen Amerika an sich hab ich ja nix, nur gegen die Regierung dort (die letztlich nur von rund 25% der Bevölkerung gewählt wurde). Aber immerhin hab ich diesen Sprachtest bestens bestanden, ich war sogar der Beste unter etwa 60 Leuten, die ihn ablegten *smile*

Beim Kriegsgeschehen gibt es im Moment ja ganz nette Fortschritte, ich hab zwar noch vor ein paar Tagen nach der ersten Meldung, die USA hätten Teile Bagdads eingenommen, zu einem Freund gesagt, dass eine Schwalbe keinen Sommer mache. Aber mittlerweile bin ich doch guter Hoffnung, dass der Krieg nicht mehr ewig andauern wird. Wenn der Krieg jetzt schon geführt werden muss, dann soll’s wenigstens schnell gehen um nicht noch mehr Leid anzurichten.


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