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Ferien, Bush und Saddam …

Mittwoch, 23. Juli 2003

So jetzt ist’s schon wieder fast zwei Monate her, dass ich hier etwas reingeschrieben habe, aber es waren turbulente Zeiten für mich. Der Endspurt in der Uni war teilweise recht hart, ein Referat und zwei Klausuren (die eine hätte ich auch bleiben lassen können) fielen bei mir in gut einer Woche zusammen. Aber ich hab’s geschafft, jetzt hab ich Ferien.
Na ja, fast. Ich muss noch zwei Hausarbeiten und einen Essay schreiben. Bei der einen Hausarbeit hab ich die Hälfte schon, den Rest hab ich noch nicht mal angefangen. Na ja, wenn ich das so in zwei Wochen hinter mir hab, kann ich meine Semesterferien dann erst mal genießen.

Heute las ich in der Zeitung einen Bericht über desillusionierte Erstsemester, dabei auch ein Kommilitone mit dem ich zwei Seminare zusammen hatte. Leider hat er beide nicht mehr bis zu Ende besucht, was mich eigentlich gewundert hat. Seine Referate hat er recht gut absolviert gehabt und erst gegen Ende des Semesters kam er dann nicht mehr. Das fand auch die Dozentin schade aber irgendwie scheint er sich wohl übernommen zu haben. Vielleicht hat er ja im nächsten Semester mehr Erfolg.

In den USA geht’s ja irgendwie rund in den letzten Tagen, ebenso in Großbritannien. Alle paar Tage gesteht in den USA jemand anderes, dass er daran schuld sei, dass Präsident George Dabelju Bush die Fehlinformationen über Urankäufe des Irak in seine Rede vor dem Kongress verwendet hat. Mal war’s der CIA Direktor, dann wieder die Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice. Und in Großbritannien bringt sich der Berater des Premierministers um nachdem er der BBC gestanden hatte, dass die Briten sich auch auf Fehlinformationen stützten. Langsam bröckelt das letzte bisschen des Fundaments, was von der Begründung des Irak Krieges noch übrig ist. Die viel zitierten Massenvernichtungswaffen wurden ja nach wie vor nicht gefunden. Ja was bleibt denn da eigentlich noch an Kriegsgrund? Denn ein Krieg ist der schwerwiegende Eingriff in die Souveränität eines anderen Landes. Der derzeitige Irak hat de facto keine Souveränität mehr, er ist ein Überseegebiet der USA im Moment. Allerdings keines, in dem die Amerikaner sich rühmen könnten, für Ordnung gesorgt zu haben. Täglich gibt es dort neue Bombenanschläge. Und Saddam Hussein ist immer noch nicht gefasst. Zwei seiner Söhne wurden gestern erschossen, im US Kartenspiel zwei Asse. Aber von Befriedung kann dort noch lange nicht die Rede sein. Eigentlich sollten die Amerikaner mittlerweile gelernt haben, dass das heutzutage nicht mehr so einfach geht mit Krieg führen und danach für Ordnung sorgen. Wenn man mal die Liste der gescheiterten Operationen durchsieht… Vietnam … Nicaragua … Iran … Diese Liste könnte man fast beliebig fortsetzen. So gut wie keine Militäroperation der vergangenen 50 Jahre war wirklich ausnahmslos erfolgreich. Stark zu denken sollte einem vor allem geben, dass die Amerikaner in der Geschichte immer wieder die Seiten gewechselt haben. Saddam war im Konflikt mit dem Iran gut genug als Alliierter, Bin Laden wurde mit US-Waffen gegen die Sowjets ausgebildet. Merken die Amerikaner nicht, dass sie mit ihrer Einmischung permanent Fehler der Vergangenheit wiederholen?

Lange hab ich mir überlegt, ob und was ich zum Tod von Jürgen W. Möllemann schreiben soll. Vor allem, da er in meinem letzten Eintrag auf dieser Seite auch auftaucht im Zusammenhang mit dem Bürgerkonvent. Ob und was an diesem Zusammenhang dran ist, wird sich wohl jetzt nicht mehr aufklären. Um den Bürgerkonvent ist es ruhig geworden und Möllemann ist tot. Als ich die Meldung von seinem Tod gehört habe, hab ich im ersten Moment gar nicht geglaubt, dass das stimmt. Aber mit Todesmeldungen spielt man nicht, nach kurzer Recherche in verschiedenen Medien hab ich’s dann doch geglaubt. Aber warum bringt sich jemand wie Jürgen W. Möllemann um? Eigentlich war er ja als ziemlich selbstbewusster Mensch bekannt. Offensichtlich waren die öffentlichen Anfeindungen und Demütigungen der letzten Monate aber zu viel für ihn. Irgendwann hat auch ein Mensch wie Möllemann genug davon. Eines muss man ihm aber lassen: sein Tod war theatralisch, ganz wie man es von Jürgen W. Möllemann bekannt ist.
Als dann einige Tage später die ganze Affäre um Michel Friedman bekannt wurde, hab ich mir im ersten Moment – wahrscheinlich wie viele – noch gedacht "Wenn das Möllemann noch erlebt hätte…". Beide sind nicht perfekt, Möllemann war wahrscheinlich zuletzt derjenige, der von Fettnapf zu Fettnapf stolperte (man denke nur an sein Flugblatt – das in den Aussagen teilweise gar nicht falsch war, aber in der Ausführung und im Zeitpunkt wirklich sehr unangebracht war). Doch den Rang hat ihm dann Michel Friedman posthum doch noch abgelaufen. Koks hätte man ihm ja wahrscheinlich in der Öffentlichkeit alleine noch verziehen – Herr Daum arbeitet ja auch wieder erfolgreich als Trainer. Das mit den Prostituierten dürfte ihn wohl aber noch länger nachhängen, gerade weil seine Freundin Bärbel Schäfer heißt und in der Fernsehlandschaft auch nicht gerade eine Unbekannte ist. Ich bin ja mal gespannt, wann man wieder etwas von Michel Friedman hören wird. Ich denke, er wird zurückkehren – früher oder später.

Referat, NRW, Bürgerkonvent

Dienstag, 27. Mai 2003

Heute war ein erfolgreicher Uni-Tag für mich, mein Referat kam bei der Dozentin sehr gut an. Sie meinte schon letzte Woche, als wir (wir haben das Referat zu dritt gemacht) zur Vorbesprechung bei ihr waren, dass wir sehr gut vorbereitet waren. Dann glaub ich ihr das mal und freu mich über die gute Beurteilung! Lob tut zarten Studentenseelen immer gut :o)

Morgen Nachmittag bin ich dann erstmal froh, die Uni einige Tage nicht mehr zu sehen, die letzten Wochen waren etwas stressig! Ein bisschen Erholung hab ich mir da durchaus verdient. Ich kam ja nicht mal dazu, hier etwas reinzuschreiben! Das genaue Programm zum Wochenende hab ich ja gestern schon geschrieben. Ich freu mich wirklich drauf.

In Nordrhein-Westfalen bröckelt die rot-grüne Regierungskoalition derzeit etwas, die FDP liegt schon in Lauerstellung, um die Grünen in der Regierung abzulösen. Unserem Gerd in Berlin gefällt das verständlicherweise ganz und gar nicht, er versucht ja derzeit extrem, Einfluss zu nehmen auf Peer Steinbrück in NRW. Um mal bei der Einflussnahme von Gerd zu bleiben: ich find’s beschämend, wie oft er in den letzten Wochen mit Rücktritt gedroht hat, wenn ihm seine Partei nicht so gefolgt ist, wie er das wollte. Auf so einer Basis kann man doch nicht regieren, entweder steht die Partei hinter einem oder eben nicht, das kann man doch nicht im Wochentakt mit Rücktrittsdrohungen und angedrohten Vertrauensfragen lösen!
Aber um den Bogen nochmal auf NRW zurückzuspannen: zwar ist Möllemann ja mittlerweile eine persona non grata in der FDP, trotzdem glaube ich noch nicht so ganz, dass er die Finger ganz raus lassen kann. In welchem Rahmen, bleibt allerdings noch abzuwarten.
Es gibt da ja auch noch diesen ominösen Bürgerkonvent. Kein Mensch weiß so recht, wer dahinter steckt. Wer auch immer es ist, er muss verdammt viel Geld haben! Der Bürgerkonvent schaltet 85-sekündige Werbespots zur besten Sendezeit in allen Sendern, sowas ist absolut nicht billig. Noch dazu sind es stark emotionale Spots, die die meisten Leute persönlich ansprechen. Es gibt einen Verdacht, wer unter Umständen dahinter stecken könnte: Möllemann! Es würde ins Konzept passen, ich trau ihm das auch zu. Allerdings wird das von den Pressesprechern des Bürgerkonvents bisher vehement dementiert. Es würde mich aber schon interessieren, wer da dahintersteckt…..

Ach ja, was mir gerade noch einfällt: ich hab nen Professor, dem mal ein beheizbaren Schreibtisch aus massivem Stein angedichtet wurde. Ob man darauf wohl auch grillen kann? Schließlich kann man in gut sortierten Elektrogeschäften einen Heißen Stein kaufen für diese Zwecke 🙂 In diesem Sinne: Wohl bekomm’s!

Deine Welt sind die Berge

Dienstag, 29. April 2003

Ich komm gerade aus der Uni zurück und dachte mir, dass ich meine Eindrücke doch gleich festhalten muss. Ich war mit meinem Ethnologie/Volkskunde Grundkurs in der Heidi-Ausstellung. Es ist teilweise wirklich pervers, was da aus dem Heidi-Motiv alles gemacht wird. Das hat sich Johanna Spyri – die Autorin – sicherlich seinerzeit auch nicht träumen lassen. Zusammen mit Wilhelm Tell ist Heidi jetzt Teil des schweizerischen Nationalmythos. Heile Bergwelt und reine Luft. Oder um Gitti und Erika zu zitieren: "Dunkle Tannen, grünen Wiesen im Sonnenschein, Heidi, Heidi, brauchst du zum Glücklichsein". Bis hierhin ist ja alles noch halbwegs normal, jeder von uns kennt sicherlich die ein oder andere Heidi-Verfilmung oder zumindest die japanische Zeichentrickserie dazu.
Aber was es da sonst noch so alles gibt, da stehen einem die Haare zu Berge. Ich hab dort ein Werbevideo von McDonald’s Schweiz gesehen… Heidi kommt heim zum Alpöhi und sagt (natürlich schön im schweizerischen Dialekt): "Großvater, ich hab dir was mitgebracht! Einen BigMäc und Pommes Frites von McDonald’s! Nur von meinem Taschengeld!". Na ja, also bitte.. Heidi geht zu McDonald’s? Es gibt mittlerweile sogar Heidi-Geschichten, in denen Heidi dem Geißenpeter Emails schreibt. Emails? Auf einer Alm? Ohne Strom? Das heutige Heidi-Bild ist irgendwie schon etwas seltsam geworden. Es gibts sogar Sexfilme ("In der Heidi ist es doch am schönsten") über das Heidi (ja, es heißt "das Heidi"). Aber die Japaner schießen da schon den Vogel ab, dort gibt es so ziemlich alles, was nur kitschig sein kann mit Heidi-Aufdruck. Einen zweiten Vogel schießen die Schweizer aber selber ab: In Maienfeld in Graubünden, im offiziellen Heidiland, gibt es gleich zwei Alpöhis die um die Gunst der Touristen buhlen. Keiner kennt den anderen, aber hasst ihn weil er ihm Profit abschöpft. Einer davon geht jedes Jahr für einige Monate auf Weltreise von dem Profit, den er mit Heidi macht!

Mit großem Kopfschütteln: Jodeladehü!

Bagdad, Uni, Sonnenschein

Freitag, 11. April 2003

Der Sturm auf Bagdad ist vorbei, hoffentlich der ganze Krieg auch bald. Allerdings sollten die amerikanischen Truppen meiner Meinung nach versuchen, die Ordnung in Bagdad halbwegs aufrechtzuerhalten. Dort wird ja geplündert was nur geht. Als ich gestern die Bilder aus der geplünderten und verwüsteten deutschen Botschaft gesehen hab, tat mir der deutsche Botschafter leid, der das jetzt im Fernsehen ansehen muss. Sicherlich kein gutes Gefühl.
Ich versteh nur echt nicht, wieso die Truppen dort nichts tun. Der ARD-Korrespondent hat gemeint, dass etwas mehr Präsenz da schon viel ausmachen würde. Aber die amerikanischen Truppen bewachen im Moment nur einige ganz wenige Orte wie das Hotel Palestine, in dem die meisten ausländischen Journalisten untergebracht sind und das Erdölministerium…

In other news gibt’s gar nicht so viel Neues zu sagen. Meine erste Uni-Woche ist vorrüber und ich seh schon, dass da doch recht viel auf mich zu kommt. Diverse Referate, Essays, Hausarbeiten und Klausuren verteilen sich zum Glück relativ gleichmäßig über das Semester.

Und noch kurz zum Wetter: hoffentlich wird’s bald wieder wärmer wie das der Wetterbericht schon angekündigt hat! So wie vor einigen Wochen, als ich mit Freunden in Luxemburg war, dürfte es jetzt ruhig sein, 15-20 Grad und Sonnenschein. Im Moment hat es 9 Grad aber immerhin schneit es gerade nicht, das hat’s heute nämlich auch schon!

Neues Semester

Dienstag, 8. April 2003

Gerade ist es 9:10 Uhr, ich bin frisch geduscht und bereit für das neue Semester. Das begann zwar eigentlich schon gestern, aber da ich montags keine Vorlesungen habe, für mich erst heute. Und ich freu mich ehrlich gesagt auch darauf, endlich wieder in die Uni gehen zu können. Mein Stundenplan in diesem Semester liegt eigentlich nahezu perfekt, endlich keine langen Leerläufe dazwischen, nichts in den Abendstunden wie im vergangenen Semester und auch wirklich die Kurse, die ich mir vorher ausgesucht habe. Da hat sich sogar das Anstehen gelohnt (insgesamt stand ich 3 Stunden in Warteschlangen für Kursanmeldungen).
Einen kleinen Vorgeschmack auf das Semester hab ich dadurch letzte Woche schon bekommen, da musste ich einen Sprachtest in Englisch machen um Amerikanistik studieren zu können. Irgendwie ist mir im Moment bei dem Fach nicht so ganz wohl aber gegen Amerika an sich hab ich ja nix, nur gegen die Regierung dort (die letztlich nur von rund 25% der Bevölkerung gewählt wurde). Aber immerhin hab ich diesen Sprachtest bestens bestanden, ich war sogar der Beste unter etwa 60 Leuten, die ihn ablegten *smile*

Beim Kriegsgeschehen gibt es im Moment ja ganz nette Fortschritte, ich hab zwar noch vor ein paar Tagen nach der ersten Meldung, die USA hätten Teile Bagdads eingenommen, zu einem Freund gesagt, dass eine Schwalbe keinen Sommer mache. Aber mittlerweile bin ich doch guter Hoffnung, dass der Krieg nicht mehr ewig andauern wird. Wenn der Krieg jetzt schon geführt werden muss, dann soll’s wenigstens schnell gehen um nicht noch mehr Leid anzurichten.


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