Wahlsonntag

Autor: Florian Schütz — Sonntag, 18. September 2005 um 12:11 Uhr

Heute ist der erste Wiesn-Sonntag. Wie das schon fast traditionell so ist, findet heute auch eine Wahl statt, heute mal wieder die Wahl zum Bundestag und damit zum Bundeskanzler. Eigentlich wollte ich dieses Jahr nichts dazu schreiben, aber irgendwie scheint das in allen Blogs aufzutauchen, dann kann ich ja auch nicht fehlen. Also auch mal ein paar Gedanken von mir zu dem Thema.

Was man dieses Mal wählen soll, ist irgendwie schwerer denn je. Keine Partei bietet wirklich überzeugende Konzepte für eine Abkehr vom derzeitigen Krisengejammere, dass alles so schlecht sei. Meiner Meinung nach krankt Deutschland aber gar nicht so sehr an den Strukturen als am Glauben der Menschen, dass es vorwärts geht. Die Deutschen waren zu lange zu sehr verwöhnt davon, dass es üppige Lohnerhöhungen gab (man muss sich nur mal Tagesschau vor 25 Jahren anschauen: "IG Metall fordert 10% Lohnerhöhungen". Damals ging sowas tatsächlich). Es geht Deutschland nicht so schlecht wie viele immer rumschreien. Denn solange sich die Leute noch in Nachmittagstalkshows über irgendwelche Nichtigkeiten streiten können, kann die Lage so schlecht nicht sein.

Im Heise Newsticker habe ich vorhin einen interessanten Artikel über morgen vor 40 Jahren gelesen. Damals war eine Prognose um 18:00 Uhr noch undenkbar, die erste Hochrechnung gab es um 21:43 Uhr, was einer Sensation gleich kam. Vorher war allenfalls am nächsten Morgen mit verlässlichen Zahlen zu rechnen. So ändern sich die Zeiten, das muss man heute alles schon um 18 Uhr haben, um 21:43 sind meist schon die Mehrzahl der Wahlkreise ausgezählt. Ich finde das auch gut, man will schließlich wissen, was nun rausgekommen ist. Ich verstehe es bis heute nicht, warum es in HighTech-Ländern wie den USA nicht annähernd so schnell geht. Klar, dort gibt es verschiedene Zeitzonen, die das verzerren. Aber es ist nun wirklich kein Hexenwerk, innerhalb von wenigen Stunden nach Schließung der letzten Wahllokale ein verlässliches Ergebnis zu haben. Auch ohne Wahlstimmeninterpretationsproblemen.

In Dresden I wird ja in zwei Wochen erst gewählt, allerdings erwarte ich da keine großen Verschiebungen. Das macht vielleicht mal nen Sitz hier oder da aus, aber das sollte am Gesamtergebnis nicht so viel verändern. Maha rechnet ja mit einer Ampelkoaliton, so ganz unlogisch klingt das auch nicht mal. Allerdings dürfte eine solche Regierung extrem an Bundesratsblockaden kranken. Denn leider reicht es nicht, wenn sich Länder, deren Koalitionen noch die Union dabei haben, einfach enthalten. Die Mehrheit im Bundesrat muss absolut sein, und da dürfte eine Ampel arge Probleme bekommen. Es gibt lediglich eine Landesregierung, die sich in der Ampel wiederfinden würde: Rheinland-Pfalz ist rot-gelb regiert. Die Grünen sind nirgendwo mehr in der Landesregierung und die SPD regiert nirgends alleine. Aber nicht mal mit einer Großen Koalition wäre der Sache arg geholfen, das ist immer noch keine solide Bundesratsmehrheit. Nur eine schwarz-gelbe Regierung kann im Bundesrat auf eine feste Mehrheit vertrauen. Aber will ich Angie?

So als kleine (Wahl)Ankedote am Rande: Wer weiß, was ein Analog-Wiki ist? Hier kann man’s rausfinden (mit Bild).

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